Die Ballade von Heinz
Heinz weiß nur eins und er weiß es gewiss
dass er noch nie die Nr. 1 gewesen ist
Außer Spesen nix gewesen
Heinz sitzt gern am Tresen und trinkt
Bis der Blutpegel sinkt
Und die Fahne gegen den Wind
bis in den Segen
Der Himmelsgegend stinkt
Ein Bier oder zwei
Oder drei oder vier
Und noch eins für den Weg
Aus der Kneipentür
Und obwohl Heinz schon weiß
Dass Alkohol zu nichts führt
Leistet er Einsichtsverzicht
Und obwohl Heinz bereut
Gibt er sich erneut heut die Kante
Und verbannt die bekannte Schande
Gefüllt bis zum Rande
Heinz vermeidet die Nüchternheit
Und vertreibt sich die trockenen Zeit
noch Ruckzuck nen Schluck
noch rasch ne Flasche vor der Asche
Und die Arbeitslosigkeit
Verbreitert dieses Treiben
Heinz wird schüchtern
Wenn es Zeit zu gehen heißt
Denn das Heim verheißt nur Einsamkeit
Heinz weiß nur eins und er weiß es genau
Sozialer Wohnungsbau in Grau
Und ohne Frau
Und grenzenlose Fenster
Die die Nacht verachten
Und seine 7 Sachen
Hat der Kuckuckskleber schon gepackt
Leber und Leben im Eimer
Heinz weiß nur eins insgeheim
Geht jedes Glas einmal zur Neige
Und Heinz scheitert weiter
Und beizeiten in der Kneipe
Erheitert ihn die Abstiegsleiter
Und das Grinsen wird beim Trinken breiter
Bis die Welt zusammenfällt
Und Heinz gefällt das
Sekt oder Selters
Denn Heinz weiß nur eins
Und er weiß es und prahlt
Wer die Zeche bezahlt
Der hat auch die Wahl
Und für ein Glas lang rastet die Frist
Und noch Ruckzug nen Schluck
Noch rasch ne Flasche vor der Asche
Und weil Heinz jeden Tag versagt
Weint er manchmal
Doch leise wie ein Mann
Beißt er dann
Die Zähne zusammen
Und verbannt die Tränen
mit einem Gähnen
Heinz ist kein Träumer
Er hat doch noch nie versäumt
Wenn sein Bier überschäumt
Heinz vertreibt sich die trockene Zeit
Noch Ruckzuck nen Schluck
Rasch ne Flasche vor der Asche
Denn Heinz weiß nur eins und er weiß es gewiss
Der ganze Mist ist sowieso nur Beschiss
Ganz egal wohin sich die Zeit verpisst
Für ein Glas lang rastet die Frist
e.s.
Dem Studienrat A.D. Heinrich Przybyla
Herr Przybyla
Chillt in der Villa
Von Schillers Füller
Und denkt an die Schwester von Skylla
Ja, wat will er denn damit?
Hat er denn nüscht besseres zu konjugiern
Die ollen Griechen sind doch längst krepiert
Wat soll det janze Siechtum noch der olle Schrott
Is doch allet een Kompott und längst jejessen
Und Przybyla sitzt immer noch beim Essen
Hängt immer noch in Rom rum
Und tischt vernarrt fanatisch
Die Vokabeln Jabelstaplerweise auf
Und kommt nich ausm Senatorensessel
Wat fesselt ihn nur so an seine Sporn?
Det is n Q kein O
Sagt da Przybyla
Und wer es besser wissen will
Ick war mal Gladiator
Aber der heißt heute Killer
e.s.
wortgewand
der wille zum wort
ist hoffnung
viel sagen zu können
so wie briefpapier
schwer in der hand liegt
zieht es menschen
in die nähe
der andern
lernen sie lesen
münder haben auch
ihre gesten
ihre berührungen
wie augenblicke
schweigendes gespräch
linien im gesicht
erzählen
manchmal mehr
als das kleid der sprache
bilder sehen
die sie nicht
in brieftaschen
mit sich herumtragen
und
in noch größerer nähe
soll es schon
vorgekommen sein
dass worte nicht
die einzige möglichkeit
waren
d.m.
Vincent
Das Korn ist dein und alle Felder
die gelbe Sonne deren Garben
Weit über den Rand der Leinwand
reichen
der Zweig im Glas und seine Knospe
die Ranken der Mandel auf blauem Grund
alle Fülle alle Liebe
und alles dies im Übermaß
nur Frieden war dir nie
Du beginnst im Dunkel
Aus dem Braun deines Landes
Und seiner Bilder
Alleen und Äcker
Geduckte Hütten
Geschwärzt vom ständigen Regen
Die stumpfen Köpfe
der Weiden
aus denen wirre
Zweige wachsen
Bestehen die Kanäle
Bauern vor dem entfernten Himmel
Gedrängt von der eigenen Schwerkraft
Lesen verstreute Ähren
Leben ihre Mühe
Langsame Lichtung
Hohe aber matte Himmel
Und auf einmal setzt die Farbe ein
In kurzen harten sanften Zügen
Ungemindert übersteigert
Das Silbergrün des jungen Weizens
Auszutragen, einzubringen
Die Sonnen haben versengte Wimpern
Um die reifenden Pupillen
Krähen scharen sich unterm Abend
Brennen die Zypressen noch?
t.l.