Schifffarzmetaffer

 

Charon hatte sich beim Gott der Unterwelt über seine harten Arbeitsbedingungen beschwert. Kaum habe er das andere Ufer erreicht und sich der, im übrigen nicht sehr angenehmen, weil bereits verstorbenen Passagiere mit ihren immergleichen, ihm schon aus den Ohren quellenden und bereits auswendig gewussten Klagen entledigt, warte drüben, von wo er doch gerade erst aufgebrochen war, schon wieder eine unübersehbar lange Schlange toter Seelen auf die Überfahrt.


Das sei keine Arbeit für einen gelernten Boots- und Steuermann, sondern allenfalls für ein Fließband, so schimpfte der Alte beim Rudern aus seinem Kahn und wünschte Acheron, Styx, Lethe und Phlegeton oder wie immer das schmutzig finstere und vom Gestank der Verwesung nur mit einer Nasenklemme zu ertragende Gewässer sonst noch heißen mochte, zum Teufel. Solle er doch vom Hadesberg den Sisyphos abberufen und zu nämlichem Geschäfte bestellen, der sei doch wie geschaffen für diesen miesen Job.

Der Unterweltgott aber, der entgegen der allgemein verbreiteten Meinung ein recht wohlwollender und gutgelaunter Arbeitgeber war, und solche und ähnliche Reden von seinen Untergebenen längst gewohnt war, wies Charons Beschwerde beschwichtigend ab, mit dem Verweis auf das Geschäft der Ewigkeit, die auch ihm selbst oft gleichförmig und geradezu endlos erscheine.

e.s.

 


Begegnung mit Schillern : Eine Missbildung

Vorwort des Herausgebers: Folgender Brief fiel mir, dem Notarius B. aus D. bei der Durchsicht einiger nachgelassener Papiere in die Hände. Er erschien mir nicht nur als außergewöhnliches Zeugnis einer rätselhaften Erscheinung zur Veröffentlichung geeignet, sondern auch, weil das sonderbare Schriftstück aus juristischer Sicht die Erbschaftsangelegenheit weder behindert noch zu etwaigen Regressansprüchen berechtigt, zumal es keine Angabe von Datum, Verfasser oder Empfänger erkennen lässt.

Lieber Freund, verzeih mir, dass ich so lange nun schon nichts mehr von mir habe hören lassen. Aber gewiss wird Dir durch die Schilderung jenes unerhörten Ereignis, das wie ein garstiger Spuk einen dunklen Schatten auf mein Leben warf, meine Haltung erhellt werden. Wenngleich ich weiß, lieber Freund, wie sehr ich mich auf deine Verschwiegenheit in delikaten Angelegenheiten verlassen kann, hat mich doch nicht allein der eigene Stupor davon abgehalten, Dir zu schreiben. Nein, auch die lange im Gewissen gewogene Entscheidung, ob ich Dir, lieber Freund, nicht einen ähnlichen Schreck einjagen würde, der mich zuweilen immer noch an mir selbst und meinem Verstande zweifeln lässt, verpflichtete mich dazu, das Siegel meines Schweigens nicht zu brechen. Es geschah also zu Deinem eigenen Schutze und Besten.
Aber schließlich siegte auch in mir der Wunsch, sich einer verwandten Seele anzuvertrauen, und wer, lieber Freund, könnte mir hierzu willkommener erscheinen als Du. Auch wenn ich weiß, dass Du als rational denkender und handelnder Vernunftmensch den folgenden Bericht nur mit Skepsis aufnehmen und Dich vielleicht zu der Behauptung versteigen wirst, dass solches noch niemandem und niemals, ja ganz wider die Gesetzte der Natur unmöglich geschehen könne, so rechne ich doch auf Dein geduldiges Gehör.
Sich über die ganze Angelegenheit auszuschweigen, schien mir zunächst vor allem auch deshalb das Klügste, weil derartige Dinge, sind sie erst einmal in Umlauf gebracht, durchaus die Eigenschaft haben, auf andere abzufärben. Überdies rücken solche phantastischen Geschichten, so wahr sie auch sein mögen, den Erzähler immer in ein schiefes Licht. Sie bleiben an den Lippen hängen wie magnetische Gabeln, weil man den Mund zu voll genommen hat und von den unabsehbaren Folgen wird der Verlust der Glaubwürdigkeit die geringste sein. Wer von einem Ort Unheimliches berichtet, wird selbst bald gemieden. Glauben heißt sehen und doch vermag nur der schöne Schein unseres inneren Auges, in dem sich alles spiegelt, mischt und bildet, was es im Traume sieht, Licht ins tiefe Dunkel zu bringen. Hier aber nun der angekündigte Bericht meiner Versäumnisse:

Es war der Abend des Rekordialfestes. Ziellos streifte ich durch die Gassen. Es war bereits dunkel geworden und während die Sterne das Firmament erleuchteten, hatte man unten schon die Laternen angezündet. Ich schlich in schlenderndem Müßiggang, ganz ohne Eile an den Häusern vorbei, wie einer, der zuviel Zeit hat.
Da schien es mir plötzlich, ich weiß selbst nicht wie, als ob eine Veränderung der Lichtverhältnisse vor sich ginge. Die Laternen flackerten einen Augenblick lang und der wiederhergestellte Schein war nur noch ein Schatten ihrer gewohnten Helligkeit. Beinahe violett leuchteten die regennassen Strassen in der finsteren Nacht und ein scharfer Wind fuhr durch das Laub der unsichtbaren Bäume.
Plötzlich drehte sich eines der Lichter um sich selbst, wirbelte wie irr im Kreis herum, dabei stetig heller werdend seinen Radius vergrößernd und löste sich schließlich ganz von der Laterne, die wie ein Mast ohne Segel in der schwarzen Nacht unterging. Gleich einem Diskus flog der Lichtkreis geradewegs auf mich zu.
Die Schnelligkeit, mit der sich dies alles ereignete, ließ mir keine Zeit mehr zu reagieren und der Lichtball, eigentlich nur eine flach rotierende Scheibe, traf mich voll an der Brust.
Naturgemäß empfand ich keinerlei Schmerz, denn es war ja nur ein Stück Licht, mit dem man nach mir geworfen hatte. Aber als ich dennoch meinen Oberkörper abtastete, um festzustellen, ob ich nicht doch irgendeinen Schaden erlitten, denn etwas derartiges war mir noch nie passiert und forderte also besondere Aufmerksamkeit, bemerkte ich, dass sich die Lichtscheibe auf meiner Brust festgesetzt hatte.
Dort, wo der Arzt das Stetoskop anlegt, etwa in Höhe der Brieftasche, befand sich ein kreisrunder, violett leuchtender Fleck, der sich, so sehr sich meine Hände auch mühten, die Strahlung abzustreifen, hartnäckig auf meiner Brust hielt.
Man kann sich denken, wie unbegreiflich mir der ganze Vorgang scheinen musste und ich verfluchte das Schicksal, das mich aus dem Zustand sorgloser Muße nun offenbar in eine zwielichtige Gestalt verwandelt hatte.
Da ich bisher niemandem begegnet war und ich mich gottseidank allein von dieser phänomenalen Problematik getroffen wähnen durfte, tat ich, was wohl jeder Mensch in einer ähnlich peinlichen Situation zu tun pflegt: Als ob ein offener Reißverschluss schamlose Einblicke gewährte, versuchte ich in meiner Notdurft die Angelegenheit zunächst so gut als möglich zu vertuschen, indem ich beide Hände auf den Fleck presste, was dem Leuchten freilich nur begrenzt Einhalt gebot.
Zwischen den Fingerritzen und an den Rändern quoll die violette Strahlung unvermeidlich hervor und ich musste die Arme eng an die Brust legen, um halbwegs normal auszusehen und nicht die ganze Nacht von meinem Missgeschick wissen zu lassen. So lief ich auf Zehenspitzen gebückt, beide Hände und Arme vor der Brust verschränkt, wie jemand, der an Herzschmerzen leidet, so schnell wie es mir diese Körperhaltung nur eben gestattete und heimlich wie ein Dieb darauf bedacht, keine Strahlung abzugeben, heimwärts.
Halbwegs unsichtbar gelangte ich ohne weitere Zwischenfälle nach Hause. In meiner Wohnung untersuchte ich das Übel genauer. An dem Lichtfleck auf meiner Brust gab es nichts zu rütteln: Ich leuchtete wie ein Scheinwerfer. Aus Angst gesehen zu werden, verschloss ich eiligst die Fensterläden und versuchte mir einzureden, dass die ganze Sache so außergewöhnlich nicht sei, wie ich vielleicht dachte. Es mochte andere vor mir gegeben haben, die etwas ähnliches erlebt und die, um sich keine Blöße vor aller Welt zu geben, wie ich selbst zu tun gedachte, darüber geschwiegen hatten. Denn in der Tat war die Situation ebenso unangenehm als aufsehenerregend. Als Betroffener aber sieht man die Dinge eben doch in einem anderen Licht.
Ich verabredete daher mit mir selbst, erst einmal eine Nacht über die Sache zu schlafen, bis Gras über dieselbe gewachsen war. Müde von der raschen Folge der rätselhaften Ereignisse empfahl ich mich für einen neuen Tag, in der Zuversicht, der Lichtspuk werde dann entweder ein Ende, oder zumindest weniger Auffälligkeit haben, und begab mich zur Ruhe.
Aber so sehr ich auch die Lider zusammenpresste, wieviele Hände, Kissen und Decken ich auch auf meine Brust türmte, wieviele Schafe ich auch über den elektrischen Zaun springen ließ, das aufdringliche Licht schob sich mir unaufhaltsam in die Linse. Selbst als ich mich, ganz gegen meine sonstige Gewohnheit, ganz flach auf den Bauch legte, kurz, in keiner Position war an Schlaf zu denken. So lag ich die ganze Nacht über in meinem violetten Licht in der wachesten Müdigkeit befangen.
Als der Tag heraufzog und ich die Fensterläden wieder öffnete, um meinen eigenen Schein mit dem der Sonne zu blenden, in der vagen Hoffnung, ihn dadurch unsichtbar, ja vielleicht sogar verschwinden zu machen, merkte ich plötzlich, dass sich der Fleck auf meiner Brust nicht nur vergrößert zu haben schien, sondern zugleich auch die Farbe gewechselt hatte.
Statt wie Flieder strahlte meine Brust nun in gleißendem Grün. Wiederwillig schloss ich wieder die Läden, legte mich wieder ins Bett auf den Bauch, setzte eine finstere Miene auf und dachte über meine Zukunft nach. Ich malte mir Farben passend zu den Wochentagen, eine Karriere als Verkehrsampel aus, und versuchte die Erscheinung auf meiner Brust mit den Resten der aus der Schulzeit verbliebenen optischen Kenntnisse in Einklang zu bringen.
Schließlich verfiel ich auf die fixe Idee, die Angelegenheit sei vielleicht mit Wasser zu bereinigen, denn soviel verstand ich von der Physik, dass dieses Element die Kraft besaß, den Willen des unverschämt hellen und schnellen Lichtes zu brechen. Ich ließ mir also ein Bad ein, nicht zu heiß und nicht zu kalt und legte meinen Körper der Länge nach in die Wanne. Ich tauchte ganz unter und als ich mit der Hand über meine Brust fuhr, glitt der Lichtfleck tatsächlich ab und trieb als Schimmer auf der Wasseroberfläche.
Man kann sich leicht vorstellen, welchen inneren Triumph ich empfand. Frohlockend über meine wiedergewonnene Körperfreiheit und vorsichtig darauf bedacht, den grünen Fleck nicht zu berühren, glitt ich geschmeidig wie eine Katze aus der Wanne und besah mir beim Abtrocknen die schwimmende Leuchte.
Voller Heimtücke und mit spitzen Fingern tauchte ich meinen Arm ins Wasser, nachdem ich zuvor den Fleck mit kleinen Wellen ans andere Ende der Wanne gescheucht hatte, tastete siegesgewiss nach dem Stöpsel und ließ das Wasser ab.
Versöhnt mit mir und der Welt sah ich schließlich selbstzufrieden zu, wie sich der Lichtfleck im schlürfenden Strudel des finsteren Abflussrohrs verlor. Ich ging ins Zimmer, öffnete die Läden und schaute der lieben Sonne ins Gesicht und nahm mir in Zukunft vor, auf meinen abendlichen Spaziergängen die Dunkelheit, wo auch immer man sie mit Laternen künstlich erleuchtete, tunlichst zu vermeiden.

e.s.

 

 

 

Holzweg

immer tiefer hinein bis das Gestrüpp irgendwann so dicht wird das es nicht mehr, auch in den klareren Momenten nicht, völlig durchdrungen werden kann; und dennoch versucht er es und muß es versuchen und seine Jacke verfängt sich in den Dornen-, ästen, und die Arme zappeln und versuchen sich freizukämpfen und verstricken sich tiefer, sein Kopf wirft sich hin und her, der Blick halb wütend, halb verzweifelt, und blind, und auf seine Wangen und seine Stirn zeichnen sich scharfe Linien, und auf den Spitzen der schwärzlichen Dornen sammeln sich rote Tropfen, die im Schein der wenigen Sonnenstrahlen, die durch das Dickicht reichen können, glänzen; wie der erste oder der zweite Prinz, doch sein Haar ist nicht blond, noch nicht mal schwarz und glatt schon gar nicht, obwohl es auch erst gestern gekämmt wurde, seine Kleider glänzen nicht, sind eher ein wenig schäbig und Tränen stehen ihm nicht, lächerlich ist er, und ein bißchen zum Fürchten, und da ist kein Schloß dessen weiße Türme über irgendwelche Hecken ragen, und keine liebliche Prinzessin, die mit süßem Mündchen im Mädchenschlaf auf ihren Erlöser harrt, nicht mal zu einer verlebten Bäuerin mit harten Lippen und Schartenfalten um die Augen reicht es, aber da ist ein kleines Haus in einem sanften Tal und warm sieht es aus das Tal und das Haus und ruhig, groß ist es nicht und prächtig schon gar nicht, aber größer, und keine lässig kokette Handbewegung, die in die Ferne reichen lässt, und "mein Reich" sagt, aber weit ist es trotzdem, und da ist kein Mitleid, kein Mitleid mit dem tragisch vergeblichen Ansturm des Großen, gegen die unüberwindliche turmhohe Dornenhecke, keine würdevolle Trauer, die sich von der Größe des Gefallenen nährt, aber man schlägt die Augen nieder, aus Scham, und..., spürt das da etwas kleines - Innen -, zerschlagen, zerdrückt wird, ...und weiter bohrend bleibt.

t.l.

 


Licht am Ende des Tunnels

Es war am späten Nachmittag eines angehenden Tages während seiner obligatorischen badespiegelartigen Denkmalpflege. Ein gestandener Donnerstag im beschaulichen südberliner Flachland - zur Zeit der großen Gefühle, der schwarzweißen Pornoheftchen und trockner Inkontinenz, als bei Widukind Westwave jr. - aberkannter Familiensenior und Papierschablonentragender Aushilfsbote des Bonner Ofenknechts, das Denken, wie ein Schimmelpilzartiges Muster, den Siegeszug in seinem Hirn antrat. Das war jeden Sommer so. Doch nicht immer war er dabei. Meistens wollte er Aufgrund überhöhter Schweißdrüsenaktivität - obwohl die Klärfunktion seiner Nieren erstaunlich gut funktionierte - im Zuge ungeschönter Ursprünglichkeit, einfach den kühlenden Regen in Kaufhäusern genießen, welchen er mittels Rotationsabgasen von Zigaretten und einen dadurch zum weinen gebrachten Rauchmelder ereichte.

Ebenso immens grob und unfreundlich ist es übrigens, wenn man unberechenbare Achselschweißüberschwemmungen, die unausbleiblich ein Kanalisationssystem für die Schweißabsonderung notwendig machen, ihren freien Lauf lässt. So gesehen bei einem durch Wunschkanzlersyndrome schwergekennzeichnetem Alphaweibchen - mit Schnittstellen zur Münzenklangideologien, die ohne Nachdruck nach einer nicht salonfähigen Geruchstabelle schwitzte.
Kam das gar von den Unstimmigkeiten über die richtigen Falscheinträge im Jahrbuch, neulich in der Tafelrunde unter den mit erzwungenem Blickkontakt debattierenden Würdenträgern des Politbüros - welche konditioniert sind die zum Ausdruck gebrachten Resignationen sich Vorbehaltlos, der süchtig machenden Aufmerksamkeitsquote und einer ungeringen Schutzgebühr wegen, nicht anmerken zu lassen und welche gleichzeitig trotz herrschendem Ton auf seelische Unversehrtheit ihres Nutzerprofils hofften?
Widukind jedenfalls, hatte diesmal vorsorglich die Nahrungsmittelmarken gegen dampfgehärtete Bad Segeberger Edelrasierklingen getauscht, um im Zuge einer Schwitzdepression entsprechend Handeln zu können. In seiner Arbeitsstube an der zwei Nullen an der Tür zu erkennen waren fügte er sich Unverblümt ein paar kurze, improvisierte Schnitte zu. Mittlerweile sind die Spuren, die zunächst aussahen wie ein spätes Werk von Joseph Beuys, mit dem er sich früher mal einen Körper teilte, fast beseitigt. Seitdem jedoch in ernsthafte Zweifel darüber vertieft, wie wohl die wuchernde Silbermähne der linken Achselhöhle sonst in den Griff zu bekommen war, betrat ihn ein weiterer Geistesblitz - und er übermütig ein Enthaarungsstudio; mit der persönlichen Bitte seinen spezifisch konsequenten Haaranwuchs nachzukommen.

Früher, als heimlichen Höhepunkt, hätte er sich schnell noch mal Archimedes, seinen sprachbehinderten Zwergfingergaffen, der eine Affinität zum Schlafwandeln hatte, der mit Hunderten von Wäscheklammern geschmückt ganz profan in seinen Unterarmlianen turnte und die Hebelgesetze außer Kraft setzte, in alphabetischer Reihenfolge zur Brust genommen - aber der sollte sich ja erst mal erholen.
Denn erst kürzlich wurde dieser, nach einem durch geschwächte Feinabstimmung gebeutelten Finanzhaushalt und den daraufhin geschlossenen Organspendervertrag (mit der Parteizentrale), mit Eigenblut an der Stirn von der Müllabfuhr nach Hause gebracht und behauptete: ich komme im Namen Europas.
Dabei suchte er in seiner Rückbesinnungslosigkeit die Geborgenheit eines stattlichen Lesehauses, in dem er den Klassiker 'Notdurft aber Richtig - Rezepte gegen das Altern' studieren wollte. Der das Fundament für ein kommendes Leben darstellen sollte.

Damit wären die Zusammenhänge geklärt.

Außer den inbrünstigen Bissspuren von Archimedes gab es wenig Erquickendes am unpatriotischem Deutungshorizont des bei feuchter Witterung in Bad Honnef geborenen Zeitgenossen Widukin. Bis vielleicht auf Magnesiumtabletten und Michaila von Mzonria, seine schizowestfälische Kaltschaummatraze. Die durch Ihren Alkohol- und Asbesttablettenkonsum, den sie als Schluckimpfung bezeichnete, auch als eine aus Leichtsinn vorübergehend verbitterte Hausnonne von sich Reden machte.
Den daraus entstandenen Applaus konnte sie mittels ästhetisch aufgerichteten Mittelfinger gelassen hinnehmen. Anfänglich gab es zwar Probleme wegen ihres Glaubens. Sie glaubte, man könnte allerorts den Darm entleeren. Eine -jedoch völlig absichtslose Angewohnheit- die wohlwissend dass Happy End, das feuchte Toilettenpapier mit Kamillearoma nicht überall verfügbar war, vollzogen wurde.

Die Zeit vertrieb schließlich den kläglichen Rest ihrer Scheu und unverdrossene Grundzüge machten sich breit. So wurde sie Hauptdarstellerin vieler Geschehnisse und war auf Anfrage auch zur Selbstaufgabe bereit, trotzdem fragte sie sich oft warum sie Widukind immer noch ranließ. Nun wortwörtlich, unter Zuhilfenahme von zweidimensionalem Kraftpulver konnte er ganz passabel Reges treiben und Orgasmen täuschte er nur selten vor.
Selbst die gemeinsame Kurzmitteilungskonversation, mit der er sie ständig in die Knie zwang, und selten mehr als sechs Buchstaben umfasste, schien akzeptabel - als zeitgemäßes Realitätspuzzle. Erst später, als sie zufällig einem Bauarbeiter hinterher Pfiff, erfuhr sie, das es auch noch andere Männer gab.

Eines Tages jedoch, als Widukind Westwave jr. gerade die spontane Bewilligung für eine Bauchpircingerweiterungspauschale im Zuge der neuen Gesundheitsreform erhielt, traf er Willy Brandt. Der stand stirnrunzelnd im Flur seines durch erfolgreiche Regenmachoffensiven künstlich durchspülten Mietshauses. Westwave jr. brachte flüsternd vor Überraschung nichts anderes als "Ich dachte, sie wohnen nicht hier!" hervor.
Auch die mittlerweile durch penetrante Grobmotorik fertig gestellten Veränderungen am Durchmesser des Treppenhausniveaus konnten für den Satz nicht als Entschuldigung herhalten.

Aus Frust darüber, das vorausgegangenes nicht mehr in Abrede zu stellen war, pustete Widukin den Staub von der Brandenburger Jubiläums-Wappenrolle und kippte irrtümlicherweise den vierzehn Zentimeter hohen Inhalt eines Ascheimers unbesehen in eine Körperöffnung. Wie viel Zeit jedoch vergangen war, seitdem die verdauungstraktinnewohnende Bakterienweltwelt damit begann verzweifelt nach dem Feinsinn des Lebens zu suchen, konnte er abschließend nicht mehr sagen.
Denn er widmete sich unverzüglich der schönsten Herausforderung, die es auf diesem Erdball gab. Und fand sie auch: Den Autoschlüssel der ostsibirischen Untermieterin. Ein kleiner, rostiger Traum mit gehäkelten Sitzgurten und einem Lenkrad aus Alligatorknochen. Der Unabdingbarkeit entgegen. Eine Brücke aus chinesischem Backblech, die auf ihr Recht pochte und der Sturz ins Wasser zeugten durch aufsteigende Blasen davon, dass die Reifen wohl schadhaft waren. Als er sich nach diesem Identifikationserlebnis neugierig umblickte und es auf sein Winken hin keine Erwiderung gab, setzte sofort ein Zustand der Leblosigkeit ein.
Verletzt wurde bei diesem Unglück zum Glück niemand.

Angelo John Ashman

 

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