Minnetrank - Kompositum aus mhd. minne und 'Trank'. Dem Wort minne liegt die idg. Wurzel *men- ("denken, im Sinn haben") zugrunde, ursprünglich meint es soviel wie "liebendes Gedenken" (vgl. auch lat. mens, engl. mind). Neben Nächstenliebe im Sinne der christl. caritas bzw. agape und Brüderlichkeit im Sinne von lat. fraternitas bedeutet minne späterhin vor allem die erotische, begehrende Liebe. Unter M. ist dementsprechend ein Elixier zu verstehen, das diese von Art von Liebe zu erzeugen vermag. Das Motiv des M. hat in der Literatur unterschiedliche Ausprägungen erfahren, die in Angabe von Art und Dauer der Trankwirkung teilweise erheblich voneinander abweichen. Gottfried von Straßburg setzt in seiner Version des Tristan-Stoffes (um 1210) die Wirkungsdauer als unbegrenzt an, über die Herstellung vermerkt er lediglich, dass der Trank von Königin Isolde mit cleinen sinnen, "feinem Verstand" ausgedacht worden sei. Gottfrieds Vorläufer, Eilhart von Oberg (um 1170) begrenzt die Wirkung auf vier Jahre. In starker Abänderung begegnet das Motiv in Shakespeares ‚A Midsummer Night's Dream' (um 1595) wieder, worin der Saft einer Blume, einem Schlafenden/einer Schlafenden ins Auge geträufelt, diesen/diese in die erste nach dem Aufwachen erblickte Kreatur - "sei's Löwe, sei es Bär, Wolf oder Stier, / Ein naseweiser Aff', ein Paviänchen" (II, 1) - verliebt macht. Zur vollkommenen Chimäre reduziert sich der Minnetrank in Donizettis Oper 'L'elisir d'amore' (Uraufführg. 12. Mai 1832): bei dem vom Dottore Dulcamara feilgebotenen Elixier, das denjenigen, der es zu sich nimmt, allen jungen Frauen begehrenswert macht, handelt es sich in Wahrheit um Wein. Als eine Abwandlung des Motivs kann auch noch der in Machiavellis Drama ‚Mandragola' (um1518) vorkommende Trank aus einer Alraune (ital. mandragola) begriffen werden, dem eine fertilitätssteigernde Wirkung eignen soll. In Wahrheit handelt es sich dabei - ähnlich wie bei Donizetti - um ein wirkungsloses Gebräu, das unter Vorspiegelung falscher Tatsachen dem jungen Callimaco den Beischlaf mit der verheirateten Lucrezia ermöglichen soll.


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gusto stibach



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