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und Tratsch für
u M s t e i g E r
Von der Warte – zur Freizeit : Ein Rechenexempel
Statistisch gesehen verbringt der Mensch ein Drittel
seiner Lebenszeit mit Arbeiten, während er ein weiteres Drittel
verschläft. Alles andere bleibt ihm mehr oder weniger selbst
überlassen. Davon wird ein nicht geringer Teil satellitengesteuert
vor dem Fernseher vergeudet, der verbleibende Rest zumeist mit Warten
vertan: Wozu Termine, wenn Pünktlichkeit nicht belohnt wird?
Gerade hier spart nur Verspätung Zeit.
Gewartet wird überall: An, auf, in, ab und zu
und um sich noch mehr zu beeilen sogar bei Regen vorzugsweise überdacht
zusammen mit und unter Gleichgesinnten. Wer lange Schlange steht,
weiß warum. Wer dabei nicht alt aussehen will, sollte das Anwärtertum
auf unbestimmte Zeit vertagen und die Wartedauer einfach unter Mußestunden
verbuchen. Damit ist nicht nur Zeit, sondern auch Lebensqualität
gewonnen.
Die rasante Entwicklung von Multifunktionshandys
bietet hier eine breite Palette an tragbarem Entertainment. Wer gegen
High-Tech Produkte ist, kann mit Miniatursteckspielen, etwa das selbstgemachte
Taschenmikado aus Spaghettistückchen, seine Freizeit alternativ
gestalten. Auch Vokabelkärtchen können nützlich sein
und ersetzen leicht die mitgebrachte Banane oder die vergessene Thermoskanne.
Ein retrospektives Flavour auf dem Elektronikmarkt
bietet der gemeine Taschenrechner, als wiederzuentdeckendes und stylisches
Hobby-Tool für unterwegs. Hier wird Wartezeitüberbrückung
leicht gemacht. Per Knopf- oder Tastendruck lässt sich das Gerät
leicht bedienen. Ein übersichtliches Lythiumcarbonatdisplay erleichtert
zusätzlich den direkten Zugriff auf die ermittelten Ergebnisse.
Für Zahlenmystiker empfehlen sich Geräte mit Wurzel- und
Logarithmusfunktion zur Dechiffrierung etwaiger Nummerncodes. Neigen
sie zur Auf- oder Abrundung periodischer Kommastellen? Ziehen Sie
regelmäßig Quersummen? Und achten Sie dabei besonders auf
Primzahlen? Machen Sie die Probe aufs Exempel: Wenn Sie diese drei
Fragen mit Ja beantworten können, und zudem ein aufmerksamer
Leser von Bedienungsanleitungen sind, sollten Sie sich unbedingt ein
professionelles Modell besorgen.
Kalkulieren hat noch niemandem geschadet. Berechnen
Sie in sekundenschnelle den prozentualen Verlust an Wartezeit durch
die gewonnene Freizeit. Relativieren Sie Einsteins Theorie: Versuchen
Sie, eine Gleichung mit mehreren Variablen aufzustellen oder setzen
Sie die Bewegung der Warteschlange in Relation zur Erdgeschwindigkeit.
Überschlagen Sie dann die Länge der Tage
und Nächte für das Sonnenjahr bei Anwendung des Quotienten
auf Achsenrotation und Umlaufbahn. Sollte sich immer noch nichts tun,
berechnen Sie auf Basis des gewonnenen Faktors die prozentuale Verlängerung
einer beliebigen Strecke im Verhältnis zur durchschnittlichen
Schrittgeschwindigkeit bei Rückenwind.
Vergleichen Sie diese Strecke dann mit Ihrem Schulweg
aus Kindertagen. Hier ist Vorsicht geboten: Schwelgen Sie nicht zu
lange in Erinnerungen und nutzen Sie die verbleibende Freizeit zur
Bemessung der Schullaufbahn auf Basis des durch die Wartezeitgeschwindigkeit
verlängerten Schulweges. Berechnen Sie nun Ihr wahrscheinliches
Alter bis zum Erreichen der Schlange und halten Sie sich die gesparte
Zeit vor Augen.
Der Phantasie sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt:
Stellen Sie sich vor, der letzte Schrei wären Wartezeitagenturen,
wo man sich die Wartezeit auf Zeitkonten als Freizeit gutschreiben
lassen kann. Hat man genügend Freizeit angespart, kann man sich
den neuen Trend in Wochenendminuten auszahlen lassen.
Wer jetzt noch wartet, ist selber schuld.
e. stern
Warnhinweis: Übermäßiger Gebrauch des Zeitsparens
kann nach Rilke zu Bewegungsüberempfindlichkeit bis hin zum totalen
Stillstand führen.